Dienstag, 3. November 2009

Naturalismus (ca. 1880-1900):


Autoren:

- die meisten wurden um 1862 geboren
- aus Kleinbürgertum
- liberal eingestellt
- viele sympathisierten mit der bis 1890 verbotenen Sozialdemokratischen Partei
- lebten vorübergehend in großen Städten, wie Berlin; dort lernten sie die soziale Misere in den Mietskasernen, Hinterhöfen und Bordellen kennen
- junge Autoren
- schlossen sich zu verschiedenen Gruppen zusammen
- entwickelten mit ihren Zeitschriften Diskussionsoren
- Vereine zur Aufführung ihrer Dramen genutzt, sonst Opfer der preußischen zensur
- Erfahrung des sozialen Elends
- Rezeption natur- und sozialwissenschaftlicher Theorien und Forschungsergebnisse prägend
Wissenschaftsorientierung:

- dominierte zeitgenössisches Denken
- Biologie, Soziologie, Psychologie entdeckten und entwickelten Gesetze, denen Mensch als biologisches, gesellschaftliches, individuelles Wesen unterworfen ist
- These: alle Menschen sind von den Faktoren „Rasse“, „Zeit“, „Milieu“ (also von Erbgut, Bedingungen der Gesellschaft und gesellschaftlicher Umwelt) determiniert; freier Wille wird in Frage gestellt
Literatur:

- auf wissenschaftliche Grundlagen gestellt
- Natur genau wiedergeben, auch Hässliche und Elend werden Gegenstand der Kunst
- bevorzugte Gattung: Dramen
- Protagonisten aus Unterschicht, nicht Arbeiterklasse, auch Bürger
- Thema: vor allem soziale Not (z.B. Zerstörung von Familie durch Alkoholismus, Unterdrückung der Frauen, Verbrechen, gestörte Sexualität)
- Absicht: Mitleid erregen, anklagen, Sozialkritik üben
- neue Darstellungsformen: in epischer Dichtung limitiert „Sekundenstil“ die Sprechweise der Figuren und bildet Milieu bis ins Detail ab; Erzählzeit und erzählte Zeit nahezu deckungsgleich
- bevorzugte Thematik: soziale Frage, deterministische Menschenbild
- Gerhart Hauptmann bereitete schon in seinem ersten naturalistischen Werk („Bahnwärter Thiel“) mit Symbolik und mythischen Bildern die literarischen Gegenströmungen im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts vor
- Vorbilder der Naturalisten in der deutschen Literatur: Lessing, Dichter des Sturm und Drang, Büchner, Heine; sie kritisierten Missstände und wandten sich den benachteiligten Ständen zu
- starker Einfluss hatte: Literatur von Zola, Ibsen, Strindberg, Tolstoi, Dostojewski; deren genaue gesellschaftliche und psychologische Analysen die Naturalisten bewunderten

Wichtige Autoren und Werke:


- Gerhart Hauptmann (1862-1946): Vor Sonnenaufgang (1889, Drama), Bahnwärter Thiel (1897, Novelle)
- Arno Holz (1863-1929) und Johannes Schlaf (1862-1941): Papa Hamlet (1889, Prosaskizze), Familie Selicke (1890, Drama)

Realismus


Autoren:

- Schicht des Bildungsbürgertums
- schrieben für Bürger
- vertraten bürgerliche Werte
darum „bürgerlicher Realismus“ genannt
- hofften auf Freiheitsrechte und Demokratie; Hoffnung zerschlagen durch Scheitern der Revolution 1848
- Forderung nach humanem Handeln
- Frage nach Entfaltungsmöglichkeiten des Individuums, in Welt die keinen Platz dafür lässt
Literarische Gestaltung:

- Welt in sich schlüssig und in einem in sich schlüssigen Werk darstellen
- brüchige Welt wird in Dichtung „poetisiert“ oder „verklärt“
darum „poetischer Realismus“ (nach Dichter Otto Ludwig)
- Kritik in Humor gekleidet
- schlossen fast vollständig Stoffe aus, die Industrialisierung, Urbanisierung, Proletariat, soziale Frage betrafen
- wendeten sich historischen Stoffen oder in gegenwartsbezogenen Texten meist ländlichen oder kleinstädtischen Regionen und Lebensweisen zu
- Hauptfiguren: deren Welt oft eng begrenzt, aus Bürgertum oder Adel
- epische Textformen: Roman, Novelle, bedeutende Dramen hat nur Friedrich Hebbel verfasst
- lyrische Produktion der meisten Autoren fiel in ihre Frühphase
- Wegbereiter des deutschen poetischen Realismus: Werke von Dickens(Oliver Twist), Balzac, Stendhal, Flaubert
Bedeutende Entwicklungen:

- Naturwissenschaften, Technik, Industrialisierung, Urbanisierung, Ausdifferenzierung des Bürgertums, Entstehung eines Proletariats, soziale Frage, zunehmende Dominanz des Materiellen;
dies forderte Autoren zur Auseinandersetzung mit der konkreten Wirklichkeit


- Philosophen und Wissenschaftler (Büchner, Feuerbach, Marx, Darwin, Le Comte) wandten sich auch konkreter Wirklichkeit zu;
antworteten mit: Materialismus, Atheismus, Sozialismus, Darwinismus, Empirie, Positivismus
Wichtige Autoren und Werke:

- Friedrich Hebbel (1813-1863): Maria Magdalena (1844, Drama)
- Theodor Storm (1817-1888): Der Schimmelreiter (1888, Novelle)
- Gottfried Keller (1819-1890): Der Grüne Heinrich (1854/55, Roman)
- Wilhelm Raabe (1831-1910): Die Chronik der Sperlingsgasse (1857, Roman)
- Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898): Das Amulett (1873, Novelle)
- Theodor Fontane (1819-1898): Effi Briest (1895, Roman)

Montag, 20. Juli 2009

Politsche Verhältnisse:

Liberales Bürgertum und Studenten reagierten anders als die Mehrheit des Volkes auf die politischen Verhältnisse der Restaurationszeit. Während sich auf der einen Seite Wirtschaft, Technik und Industrie rasant weiterentwickelten, blieben das Bürgertum - und natürlich das sich langsam entwickelnde Proletariat - von der Möglichkeit politischer Gestaltung ausgeschlossen. Soziale Not und Unzufriedenheit mit der politischen Unterdrückung stiegen im Lauf der Zeit immer weiter an; es kam vereinzelt zu Aufständen bzw. politischen Aktionen (Hambacher Fest 1832) und schließlich 1848 - im Gefolge der französischen Julirevolution 1830 - zur Märzrevolution, die in den Hauptstädten fast aller deutschen Bundesstaaten zu Reformen (liberale Verfassungen) und in Deutschland zur Wahl der Frankfurter Nationalversammlung führte. In Wien kam es zum Sturz Metternichs.

Mit Vormärz verbindet man also fortschrittliche Tendenzen - etwa ab dem Jahr 1815 - und eine Literatur mit liberalen, später sozialpolitischen, teilweise radikaldemokratisch-kommunistischen Zielen.


Namensgebung

Als Junges Deutschland wird eine lose Vereinigung von politisch engagierten Schriftstellern bezeichnet, denen Ludolf Wienbarg den Namen gab: "Dem jungen Deutschland, nicht dem alten widme ich diese Buch."

Samstag, 18. Juli 2009

Vormärz

Der März 1848 - also der Monat, in dem die in Paris ausgebrochene Revolution nach Berlin kam - dient als Endpunkt des Epochenbegriff Vormärz, der in der französischen Juli-Revolution 1830 seinen Ausgangspunkt hat.
In allen europäischen Ländern wurde die Epoche von zwei großen historischen Kräften erfaßt: vom Nationalismus, dessen Verhältnis zur tatsächlichen deutschen Reichsgründung 1871 zum Problem werden sollte, und vom Liberalismus, der in verschiedenen Schattierungen, vom gemäßigten Konstitutionalismus bis hin zum Kommunismus, an der Überwindung des Feudalsystems bzw. des Absolutismus arbeitete.

Die traditionelle Literaturgeschichtsschreibung hebt im Vormärz besonders die Gruppierung "Junges Deutschland" hervor. Diese Gruppe - 1835 unter gesamtdeutsches Publikationsverbot gestellt - war aber weitgehend eine Erfindung der Zensur, denn die Beziehungen unter den Autoren - Karl Gutzkow, Heinrich Heine, Heinrich Laube, Theodor Mundt, Ludolf Wienbarg - waren äußerst locker. Dennoch markieren diese Autoren (wie etwa auch Ludwig Börne und Georg Büchner) einen entscheidenden Wendepunkt im deutschen Kulturleben, und zwar unter drei verschiedenen Aspekten:

1. Aktualisierung und Politisierung der schrifts
tellerischen Praxis: Sie zeigte sich in der Fortführung und im Ausbau der publizistischen Tradition seit der Aufklärung und in der aktiven Teilnahme am Literaturmarkt. Der diesbezügliche Lernprozeß, den viele - in erster Linie aber Heine und Börne - in ihrem Exil in Paris durchmachten, wirkte sich auf die ganze Gruppe aus. Dies war - unter anderem - der Grund für den immer wieder gemachten Vorwurf einer 'Überfremdung' der Gruppe.

2. Orientierung der Literatur an Zeit - und Gesellschaftskritik - hier versuchten die Autoren, die weltfremd gewordenen Traditionen der deutschen Klassik und Romantik durch die Teilnahme an der - von den Bürgern bewußt mitzugestaltenden - Geschichte zu erneuern.

3. Teilnahme von Schriftstellern an den modernen, sozial orientierten philosophischen Strömungen der Zeit: Hier spielten nicht nur der Saint-Simonismus, sondern auch die Religions- und Moralkritik im Umkreis der Junghegelianer (besonders Ludwig Feuerbach) eine bedeutende Rolle.
Vertreter des Vormärz
Ferdinand Freiligrath (1810-1876)
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Heinrich Heine (1797-1856)
Georg Herwegh (1817-1875)
Georg Weerth (1822-1856)
Ernst Willkomm (1810-1886)

Werke des Vormärz
Unpolitische Lieder (1840/41) - Fallersleben
Das Lied der Deutschen (1841) - Fallersleben
Gedichte eines Lebendigen (1841) - Herwegh
Aufruf (1841) - Herwegh
Die schlesischen Weber (1844) - Heine
Deutschland. Ein Wintermärchen (1844) - Heine
Humoristische Skizzen aus dem deutschen Handelsleben (1847/48) - Weerth
Romanzero (1851) - Heine
Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (1863) - Herwegh
Vertreter des Jungen Deutschlands
Georg Büchner (1813-1837)
Christian Dietrich Grabbe (1801-1836)
Karl Gutzkow (1811-1878)
Heinrich Heine (1797-1856)
Heinrich Laube (1806-1884)
Theodor Mundt (1809-1861)
Ernst Willkomm (1810-1886)
Ludwig Börne (1786-1837)

Werke des Jungen Deutschlands
Reisebilder. Erster Teil (1826) - Heine
Die Heimkehr
Die Harzreise
Die Nordsee
Reisebilder. Zweiter Teil (1827) - Heine
Die Nordsee
Ideen. Das Buch Le Grand
Neuer Frühling
Buch der Lieder (1827) - Heine
Don Juan und Faust (1829)- Grabbe
Reisebilder. Dritter Teil (1830) - Heine
Die Reise von München nach Genua
Die Bäder von Lukka
Napoleon oder Die hundert Tage (1831) - Grabbe
Der Hessische Landbote (1834) - Büchner
Dantons Tod (1835) - Büchner
Woyzeck (1836) - Büchner
Die Romantische Schule (1836) - Heine
Lenz (1839) - Büchner

Donnerstag, 2. Juli 2009

Einige charakteristische Merkmale der Literatur der "Jungdeutschen":


- sie waren gegen die traditionellen Formen der Literatur, wie die Erlebnislyrik
- sie schrieben meistens erzählende Literatur, z.B. Geschichten und Romane
- ihre Literatur sollte gesellschaftlich und politisch engagiert sein
- sie schrieben die Geschichte ihrer Epoche
- Sprache: provozierend, satirisch, salopp



Die "Jungdeutschen" begannen außerdem den deutschen Journalismus, da sie ihre politischen Ideen in Zeitungen und Broschüren veröffentlicht haben.

Montag, 22. Juni 2009

MERKMALE:

Die Jungdeutschen und die Vertreter des literarischen Vormärz hatten das gemeinsame Ziel, die Literatur zu erneuern, das Recht auch der Frauen auf Bildung und Selbstständigkeit durchzusetzen. Sie schrieben gegen die Zensur und für die Pressefreiheit, gegen die Willkür der absoluten Herrscher und für das Recht auf Freiheit und Gleichheit der Bürger, gegen die Kleinstaaterei und für eine demokratische Verfassung. Sie traten für eine Trennung von Staat und Amtskirche ein.
Im Jungen Deutschland entwickelte sich eine Gruppe von Intellektuellen, die sich nicht mehr von schönen Worten blenden ließ. Was sie wollte, war eine "Politisierung der Literatur", bei der Formen wie die Satire oder die Zeitkritik im Vordergrund standen. Nicht das Poetische, Erhabene, Romantische fand man entscheidend, sondern das Hier und Jetzt, die konkrete Situation der Gegenwart, die jeden Tag zu einer neuen Stellungnahme herausforderte.
ZENSUR

1819 wurde für alle Staaten des Deutschen Bundes eine Vorzensur eingeführt. Sie betraf alle Texte unter 20 Bogen (entspricht 320 Seiten). Damit fielen alle Schriften darunter, die für ein breites Publikum zugänglich waren, wie Zeitungen, Zeitschriften und viele Bücher. Verboten war vor allem die Kritik an den herrschenden politischen Verhältnissen, wie an der Regierung oder an dem Adel. Ab 1830 versuchten viele Autoren die Zensur zu umgehen. Sie weiteten den Umfang ihrer Schriften entweder auf 21 Bögen aus oder ließen ihre Werke im Ausland drucken. Dies führte zu einer Verschärfung der Zensur.

Heinrich Heine: *13. Dezember 1797
† 17. Februar 1856

Heines Auseinandersetzung mit der Romantik fand ihren Niederschlag in dem Buch "Die romantische Schule" (1836), das zugleich zu einer der wichtigsten theoretischen Schriften des Jungen Deutschland wurde, da es in ihr nicht um Literaturgeschichte ging, sondern um eine Abrechnung mit den reaktionären Tendenzen der (Spät-)Romantiker.
Georg Büchner: *17. Oktober 1813;
† 19. Februar 1837

seine bekanntesten Werke: - Woyzeck (1837)
- Leonce und Lena (1836)

Montag, 25. Mai 2009

Der Begriff Vormärz als Epochenbezeichnung bezeichnet den Zeitraum zwischen 1815 und 1848. Die Literatur des Vormärz wird unterteilt in Junges Deutschland und den eigentlichen Vormärz.Die literarische Strömung des eigentlichen Vormärz setzte 1840 ein und endete 1848 mit der gescheiterten Märzrevolution.

Vertreter dieser Epoche waren z.B.:
Georg Büchner
Heinrich Heine
Christian Dietrich Grabbe
Karl Gutzkow
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Ernst Willkomm
Georg Herwegh